Deutscher Leistungsbilanzüberschuss in der Diskussion

Außenhandel

International wird Deutschland wegen seines hohen Leistungsbilanzüberschusses häufig kritisiert. Ökonomen der Commerzbank sind den Gründen für diesen Überschuss nachgegangen.

Mit knapp 300 Milliarden US-Dollar wies Deutschland im vergangenen Jahr erneut den mit Abstand höchsten Überschuss in der Leistungsbilanz weltweit auf. Auch 2018 steuert das Land auf ein Leistungsbilanzplus von 280 Milliarden Euro zu, prophezeien führende Forschungsinstitute. Dabei hatte Deutschland über die gesamten 1990er Jahre noch ein Leistungsbilanzdefizit. Die Wende kam Anfang des Jahrtausends, als im Handel mit den Euroländern und dem Rest der Welt zunehmend Überschüsse erzielt wurden. Was sind die Gründe dafür? Über diese Frage haben Ökonomen der Commerzbank nachgedacht.

Unterschiedliches Sparverhalten

Den Commerzbank-Experten zufolge spielt der schwache Euro, der Exporte ins Nicht-Euro-Ausland erleichtert, zwar eine Rolle. Doch Anfang dieses Jahrtausends sei der Außenwert sogar noch etwas tiefer gewesen als heute, und damals befand sich die Leistungsbilanz gegenüber den Nicht-Euro-Ländern leicht im Minus. Auch die deutsche Lohnzurückhaltung könne nicht als alleinige Erklärung herhalten, selbst wenn die Lohnstückkosten in Deutschland in den ersten Jahren der Währungsunion tatsächlich stagnierten, während sie im Durchschnitt der anderen Euroländer um 15 Prozent zulegten, wodurch deutsche Waren im Verhältnis günstiger wurden.

Die Commerzbank sieht die eigentlichen Gründe für die deutschen Überschüsse im unterschiedlichen Sparverhalten der Länder. Ein positiver Leistungsbilanzsaldo bedeutet, dass die Inländer für Konsum und inländische Investitionen weniger ausgeben, als sie erwirtschaften – so sei es auch in Deutschland. Es sind laut der Commerzbank insbesondere die Salden des Staates und der Unternehmen, die sich zwischen 2001 und 2016 um 4 bzw. 5 Prozent des BIP verbessert haben. Statt die niedrigen Zinsen für Investitionen zu nutzen, haben Bund und Unternehmen ihre Schulden abgebaut.

Die Commerzbank-Ökonomen argumentieren, dass sich an den Gründen für den hohen deutschen Leistungsbilanzüberschuss in naher Zukunft kaum etwas ändern werde. Um einen stärkeren Protektionismus seiner Handelspartner zu verhindern, solle Deutschland sich innerhalb der EU für eine Senkung der eigenen Import-Zölle einsetzen, fordern die Analysten. Davon abgesehen müssten vor allem die Unternehmen stärker investieren. Sie verfügten über ausreichend finanzielle Mittel, aber im Inland fehle es offenbar an rentablen Investitionsmöglichkeiten.

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