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5/2017

Im Fokus: Der deutsche Überschuss in der Leistungsbilanz – Teil 1

Wegen seines hohen Leistungsbilanzüberschusses steht Deutschland immer wieder in der Kritik. Doch was sind eigentlich die Konsequenzen dieses Überschusses? Welche Ursachen hat er und wie könnte er reduziert werden?

Deutschlands hohe Überschüsse in der Leistungsbilanz rufen Argwohn und Kritik hervor: Bereits im März 2014 hat die EU-Kommission die deutschen Exportüberschüsse kritisiert und die Bundesregierung aufgefordert, dieser Entwicklung entgegenzusteuern. Doch in den vergangenen beiden Jahren ist das Plus weiter angewachsen. 2016 belief sich der deutsche Überschuss sogar auf fast 9 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung und war damit nicht nur der höchste der ganzen Welt, sondern lag auch weit über der von der Europäischen Union ausgegebenen Höchstmarke von 6 Prozent, die im Durchschnitt der jeweils vergangenen drei Jahre nicht überschritten werden darf.

Was ist die Leistungsbilanz?

Was aber verbirgt sich überhaupt hinter der Leistungsbilanz, und was genau ist mit einem Überschuss gemeint? In der Leistungsbilanz werden alle „Leistungen“ aufgeführt, die das Inland mit anderen Ländern austauscht. Dazu gehören Waren ebenso wie Dienstleistungen, Zinsen und Löhne. Der Warenaustausch mit dem Ausland (Handelsbilanz) macht im Falle Deutschlands etwa zwei Drittel des in der Leistungsbilanz dokumentierten Volumens aus. Der zweite bedeutende Posten sind die Dienstleistungen, wozu etwa der Tourismus, Transportleistungen und Patent- und Lizenzgebühren zählen (Dienstleistungsbilanz). Die Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen registriert vor allem grenzüberschreitende Arbeitsentgelte und Kapitalerträge, während Transferleistungen ans Ausland, die keine Gegenleistung erfordern (etwa die Entwicklungshilfe), als Teil der Übertragungsbilanz in die Leistungsbilanz einfließen.

Der hohe Überschuss in der deutschen Leistungsbilanz geht vor allem auf den Überschuss in der Handelsbilanz zurück. Das bedeutet: Der Wert der deutschen Exporte von Maschinen, Autos, Chemieprodukten und vielen anderen Waren ist sehr viel höher als der Wert der Warenimporte. Wichtig in diesem Zusammenhang: In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, bei der es um die Zusammensetzung des Bruttoinlandsproduktes bzw. des Bruttonationaleinkommens geht, ist ein Leistungsbilanzsaldo gleichbedeutend mit der Differenz zwischen gesamtwirtschaftlicher Ersparnis und inländischen Investitionen. Ist die Ersparnis höher als die Summe der Investitionen, bedeutet dies, dass das Land einen Leistungsbilanzüberschuss in etwa gleicher Höhe erzielt. Seit 2004 liegt die deutsche Sparquote über der inländischen Investitionsquote.

Die Kapitalbilanz

Die Leistungsbilanz wird immer gemeinsam mit der Kapital-bilanz geführt. Die Kapitalbilanz dokumentiert alle Kapitalströme, die einerseits ins Ausland fließen und andererseits ins Inland kommen. Zu den Kapitalexporten zählt es, wenn deutsche Unternehmen Direktinvestitionen im Ausland tätigen, etwa Fabriken in Mexiko oder in China bauen. Zudem wird jede Portfolioinvestition im Ausland – wenn also deutsche Anleger Aktien oder Anleihen aus anderen Ländern kaufen – als Kapitalexport geführt. Grundsätzlich gilt, dass Defizite in der Leistungsbilanz durch Überschüsse in der Kapitalbilanz finanziert werden müssen. Grund: Wenn ein Land mehr Leistungen aus dem Ausland in Anspruch nimmt, als es an andere Staaten verkauft, nimmt es weniger ein – und muss die entstandene Lücke auf anderem Weg schließen. Ein Land kann zum Beispiel ein Darlehen bei einem anderen aufnehmen oder sein Vermögen im Ausland – etwa über den Abbau von Währungsreserven – verringern. In anderen Worten heißt das: Jeder Staat mit negativem Leistungsbilanzsaldo braucht einen Kapitalgeber, der seine Schulden im Ausland finanziert. Genauso ist jeder Staat mit positivem Saldo auch gleichzeitig ein Gläubiger, der anderen Staaten die Handelsdefizite finanziert – das trifft auf Deutschland zu.

Ein Plus in der Leistungsbilanz

Was bedeutet ein Außenhandelsüberschuss für ein Land wie Deutschland? Ein Exportplus hat zunächst einmal positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Wenn die hiesigen Unternehmen nur die Dinge herstellen würden, die hierzulande selbst benötigt werden (bzw. Exportgüter nur im Wert der Importgüter), wäre dies mit einem geringeren Einsatz von Arbeitskräften verbunden. Ein Exportüberschuss hat daher eine geringere Arbeitslosigkeit zur Folge, was wiederum auch gut für die öffentlichen Kassen ist. Gegenüber dem Ausland baut das Land Vermögen auf, weil es mit seinen Exporten mehr einnimmt, als es für die im Ausland erworbenen Güter und Dienstleistungen (Importe) ausgibt.

Allerdings: Das Vermögen gegenüber dem Ausland, das mithilfe der Exportüberschüsse gebildet wird, verliert an Wert, wenn es zu einem Bankrott der betreffenden Unternehmen bzw. des Staates kommt oder wenn die Währung des Auslands stark abgewertet wird. In beiden Fällen hätte Deutschland seine Güter gegen wertlose Forderungen eingetauscht und im Extremfall letztendlich verschenkt. Zugleich steht das ins Ausland fließende Kapital für inländische Investitionen nicht zur Verfügung, worunter auf Dauer die Wirtschaftskraft leiden könnte. Auch aus diesen Gründen gilt ein Exportüberschuss nicht unbedingt als ein erstrebenswertes Ziel der Wirtschaftspolitik. Das Erreichen eines „außenwirtschaftlichen Gleichgewichts“ ist deswegen Bestandteil des im Stabilitätsgesetz von 1967 verankerten sogenannten „Magischen Vierecks“ der Wirtschaftspolitik. Das Stabilitätsgesetz verpflichtet Bund und Länder dazu, ihre wirtschaftspolitischen Aktivitäten so zu gestalten, dass ein sogenanntes gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht gefördert wird. Außenwirtschaftliches Gleichgewicht bedeutet in diesem Zusammenhang eine Außenbeitragsquote von maximal 1,5 – also ein möglichst ausgeglichenes Verhältnis von Exporten und Importen.

Ein Minus in der Leistungsbilanz

Ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht wird aber auch deswegen angestrebt, weil Überschüsse der einen Länder unweigerlich Defizite der anderen Länder nach sich ziehen, dies aber für die Stabilität der Weltwirtschaft und der jeweils betroffenen Volkswirtschaften als problematisch angesehen wird. Warum sind Leistungsbilanzdefizite für ein Land problematisch? Spiegelbildlich zu Leistungsbilanzüberschüssen führen Defizite häufig zu Arbeitsplatzverlusten. Dem höheren Beschäftigungsniveau des Exportüberschusslandes Deutschland würden insofern geringere Beschäftigungsniveaus in den Ländern mit einem Importüberschuss gegenüberstehen – zumindest in der Theorie.

In der Theorie würden sich übrigens Überschüsse und Defizite allmählich wieder ausgleichen – und zwar über den Wechselkurs. Denn bei Handelsungleichgewichten würde die Währung des exportstarken Landes aufwerten, also teurer werden, wodurch dann langsam auch die Exportgüter teurer werden und die Nachfrage nach diesen Gütern nachlässt. Umgekehrt würden die Produkte des Importlandes günstiger, die Exporte können gesteigert werden. Das „Problem“ in der Eurozone ist allerdings, dass es keine einzelnen Währungen mehr gibt, die auf- und abwerten können. Da dieser Mechanismus also nicht zum Tragen kommt, sind die Forderungen an die deutsche Adresse umso vehementer, durch wirtschaftspolitische Maßnahmen dafür zu sorgen, dass der deutsche Überschuss geringer wird.

Defizite nicht zwangsläufig von Nachteil

Ist das deutsche Ungleichgewicht für andere Länder also ein Problem? Nicht zwingend, sagen Ökonomen. Denn der deutsche Leistungsbilanzüberschuss bedeutet eben auch, dass mehr Kapital aus Deutschland ins Ausland fließt und dort produktiv wirken kann. Ein interessantes Beispiel ist in diesem Zusammenhang Deutschland selbst. In den 1990er Jahren wies die Bundesrepublik kontinuierlich einen Fehlbetrag in der Leistungsbilanz auf. Einer der Hauptgründe dafür war die Tatsache, dass die Wiedervereinigung (und die damit verbundene Aufbauarbeit in der ehemaligen DDR) viel Geld kostete – und man daher Kapital aus dem Ausland benötigte. Zu dieser Zeit hatte das heute viel gescholtene Frankreich übrigens eine positive Leistungsbilanz. Allerdings: Wenn ein an sich hochentwickeltes Land kontinuierlich Defizite aufweist, könnte dies auch bedeuten, dass seine Einwohner einen Lebensstandard pflegen, den sie sich eigentlich nicht leisten können. Oder aber die Unternehmen des Landes produzieren keine Waren und Dienstleistungen, die international gefragt wären. Beides sind problematische Erklärungen.

Es kommt bei einem Leistungsbilanzdefizit also darauf an, wie sich die ihm zugrunde liegenden Kapitalströme zusammensetzen. Fließt der Kapitalimport überwiegend in eine zusätzliche Steigerung der inländischen Investitionen, dann finanziert er de facto eine Erhöhung des inländischen Kapitalstocks und ermöglicht so einen künftig höheren Output der Volkswirtschaft, als dies ohne Kapitalimporte möglich wäre. Ein solches Leistungsbilanzdefizit ist nicht nur finanzierbar, sondern auch ein Beleg für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes. Schwierig wird es hingegen, wenn der Kapitalimport hauptsächlich in einen höheren inländischen Konsum fließt und von einem Rückgang der inländischen Ersparnis begleitet wird.

Deutscher Überschuss in Eurozone rückläufig

Trotz anhaltender Kritik – gegenüber den anderen Euro-Ländern ist das deutsche Leistungsbilanzplus in den vergangenen Jahren geringer geworden. Gegenüber dem Rest der Welt hingegen ist es angestiegen. Was genau sind die Gründe hierfür, und was könnte die Bundesregierung überhaupt tun, um die Defizite abzubauen? Fortsetzung folgt.

Dieser Artikel ist erschienen in der schul|bank 5/2017

SCHUL/BANKER – Anmeldung möglich!

Bis zum 30. September können sich Schülerinnen und Schüler für das Bankenplanspiel SCHUL/BANKER unter www.schulbanker.de anmelden. Die Runde 2017/2018 beginnt im November. SCHUL/BANKER wird in diesem Jahr zum 20. Mal ausgetragen; es bietet den Schülern die einmalige und spannende Chance, das Management einer virtuellen Bank zu übernehmen und auf diesem Wege einen Einblick in vielfältige wirtschaftliche Zusammenhänge zu gewinnen.

Dieser Artikel ist erschienen in der schul|bank 5/2017

Ältere Gesellschaft ist weniger produktiv

Die Deutsche Bundesbank hat untersucht, inwieweit sich die Alterung der Gesellschaft auf Wachstum und Wachstumspotenzial der deutschen Volkswirtschaft auswirken werden.

Verschiedene Faktoren beeinflussen das künftige Wirtschaftswachstum in Deutschland, unter anderem die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter. Hier wird es in naher Zukunft erhebliche Veränderungen geben: Zum einen führt der demografische Wandel – also die geringe Kinderzahl und die längere Lebenserwartung – zur Alterung der ansässigen Bevölkerung. Obwohl inzwischen deutlich mehr Ältere arbeiten als noch in der jüngeren Vergangenheit, sinkt damit die Zahl derer, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen – nicht zuletzt weil demnächst die sogenannten „Baby-Boomer“ in Rente gehen, also die Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge bis etwa 1964. Die natürliche Bevölkerungsentwicklung wird für sich genommen die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter (15 bis 74 Jahre) bis zum Jahr 2025 um fast 2,5 Millionen vermindern.

Gegenläufiger Faktor Zuwanderung

Zum anderen aber dürfte diesem Prozess die vermutlich auch weiterhin kräftige Zuwanderung von außen entgegenwirken. Im mittleren Szenario erwartet die Deutsche Bundesbank in ihrer Studie eine Zuwanderung von netto fast 2,5 Millionen Menschen in den Jahren bis 2025. Die Immigranten würden die Zahl der potenziellen Arbeitskräfte erhöhen und damit das Wachstum stärken. Allerdings fehlen vielen – besonders den Zuwanderern aus der Flüchtlingsmigrationswelle seit 2015 – berufliche Qualifikationen; auch die mangelnden Sprachkenntnisse hemmen die Integration in den Arbeitsmarkt. Die Bundesbank rechnet daher mit einer anfangs geringen Produktivität der Immigranten.

Eine Schlüsselfrage wird sein, wie sich die Alterung der Gesellschaft auf das künftige Produktivitätswachstum auswirkt. Die Bundesbank geht von einer künftig geringeren Dynamik der Produktivitätszunahme der Arbeitenden aus und erwähnt Studien, wonach die individuelle Produktivität in Deutschland bis zum Alter von 55 Jahren tendenziell zunehme, danach aber stagniere. Ein weiterer Faktor, der das Wirtschaftswachstum dämpfen werde: Die alternde Gesellschaft braucht künftig weniger Wohnraum, das belaste die Investitionstätigkeit im Wohnungsbau. Während das gesamtwirtschaftliche Wachstum also sinkt, muss der Einzelne allerdings nicht unbedingt Einbußen hinnehmen. Die Bundesbank weist darauf hin, dass die Knappheit des Faktors Arbeit künftig zu höheren Löhnen führen kann.

Dieser Artikel ist erschienen in der schul|bank 5/2017

Immer mehr Autos werden in China verkauft

Daten des Welt-Autoverbands OICA zeigen, wo heute die Musik spielt: In China werden inzwischen mehr Autos verkauft als in den USA, Japan und Deutschland zusammen.

Der Weltautomarkt erhält vor allem dann wichtige Impulse, wenn in den Schwellenländern mehr Menschen in höhere Einkommensgruppen gelangen. Dies ist schon seit mehreren Jahren besonders in China der Fall. Inzwischen ist die Volksrepublik der größte Automarkt der Welt mit über 24 Millionen Pkw-Verkäufen im Jahre 2016. 28 Prozent aller weltweiten verkauften Neuwagen finden mittlerweile in China ihre Käufer. Experten gehen davon aus, dass die Autoverkäufe im Reich der Mitte auch 2017 – nach rund 15 Prozent in diesem Jahr – weiter anziehen werden, wenn auch mit einer deutlich geringeren Wachstumsrate. Als Grund für die erwartete Abkühlung wird u.a. das Auslaufen der Steuererleichterungen für Autos mit einem kleinen Motor genannt. Zudem wird in China eine Luxussteuer für Autos jenseits von 180.000 Euro eingeführt.

Gemischte Aussichten für 2017

Die Autobauer weltweit können auch im Jahr 2017 auf vergleichsweise gute Geschäfte hoffen. Nach einer Prognose des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen von Ende 2016 wird der Absatz von Neuwagen insgesamt um drei Prozent auf 84,6 Millionen Fahrzeuge zunehmen, in den 15 größten Märkten der Welt wächst er immerhin um rund 3,1 Prozent. Der VDA (Verband der deutschen Automobilwirtschaft) geht von 83,6 Millionen Verkäufen aus. Das Wachstum bleibt laut CAR-Institut damit allerdings unter dem von der OECD vorhergesagten Weltwirtschaftswachstum in Höhe von 3,3 Prozent. Dies liege daran, dass es sich bei den großen Automärkten trotz der Bedeutung Chinas zumeist um reife Volkswirtschaften mit hohem Pro-Kopf-Einkommen und entsprechend geringerem Wachstumstempo handle.

Dieser Artikel ist erschienen in der schul|bank 5/2017

Geldpolitischer Kurswechsel in Sicht?

Befreit von der politischen Last eines drohenden Rechtsrucks in Europa kletterte der Dax in den vergangenen Wochen von Rekord zu Rekord. Seit Jahresbeginn schaffte der Index der 30 größten börsennotierten Unternehmen im Land ein Plus von 11 Prozent; die Marke von 13.000 Punkten rückte in greifbare Nähe. In den vergangenen zwölf Monaten stieg der Dax sogar um mehr als 25 Prozent. Nicht nur das Abebben der politischen Risiken in Europa, auch ein höheres Wirtschaftswachstum in der Eurozone und steigende Unternehmensgewinne haben die Aktienmärkte zu neuen Höchstständen getrieben. Deutsche Blue Chips profitieren besonders stark von der guten Wirtschaftsentwicklung außerhalb Europas. Auch sind die Aktien des Dax mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut 14 bezogen auf die Gewinne 2017 nach wie vor nicht teuer – sowohl im Vergleich zu US-Aktien als auch gegenüber ihren historischen Preisen.

Allerdings droht den Aktienmärkten auch Gegenwind – und zwar von einer möglichen geldpolitischen Wende der Europäischen Zentralbank. Zwar wird eine Anhebung des Leitzinses von derzeit null nicht vor 2018 erwartet. Bislang legt EZB-Präsident Mario Draghi Wert auf die Feststellung, dass die Konjunktur noch immer nicht auf einem unverrückbaren Fundament stehe, Nullzinspolitik und Anleihekäufe also weiterhin notwendig seien. Doch angesichts des erstarkenden Wirtschaftswachstums, einer Inflationsrate von zuletzt mehr als einem Prozent und verschiedener Andeutungen von Notenbankern aus dem EZB-Direktorium rechnen Experten damit, dass die EZB bald ihre Prognosen für Inflation und Wirtschaftswachstum anheben und im September einen Fahrplan für das Herunterfahren der Anleihekäufe ankündigen wird. Schon eine geänderte Intonation dürfte die Aktien- und auch die Anleihemärkte bewegen. Aus den Aktienindizes könnte Luft entweichen, die durch die Niedrigzinspolitik in die Kurse gepumpt wurde. Ein nachhaltiger Einbruch der Aktienkurse droht allerdings wohl nicht, schließlich wäre ein allmählicher geldpolitischer Kurswechsel ein Zeichen für normalere Verhältnisse.

Dieser Artikel ist erschienen in der schul|bank 5/2017

Deutschland und Türkei

Die Türkei ist gegenwärtig nicht nur in politischer, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht stark angeschlagen. Umso wichtiger sind die Beziehungen zum wichtigsten Handelspartner Deutschland.

Von keiner anderen Wirtschaft ist die türkische so abhängig wie von der deutschen. Knapp 10 Prozent aller türkischen Exporte gehen nach Deutschland, dahinter folgen Großbritannien und mit deutlichem Abstand der Irak und Italien. Wichtigster Posten in der Außenhandelsbilanz zwischen der Türkei und Deutschland sind Textilien: Mit Textilimporten in Höhe von 3,2 Milliarden Euro ist Deutschland der wichtigste Abnehmer türkischer Produkte. Umgekehrt bezieht die Türkei aus Deutschland vor allem Maschinen, Elektrotechnik und Chemikalien – hochwertige Produkte also, auf die das Land nicht verzichten und die es auch nicht kurzfristig durch andere ersetzen kann. Die Türkei ist also sehr viel stärker von Deutschland abhängig als umgekehrt, zumal sie nur auf Rang 13 der wichtigsten deutschen Handelspartner steht.

Touristen als Wirtschaftsfaktor

Auch der Tourismus ist für die Türkei ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Besonders schmerzvoll sind daher die Rückgänge bei den Reisebuchungen deutscher Touristen. Infolge der unsicheren politischen Lage des Landes ist die Zahl der deutschen Urlauber 2016 um ein Drittel eingebrochen: Nur noch 3,8 Millionen Deutsche wollten an den Stränden ausspannen. Dennoch sind sie weiterhin die größte Touristengruppe. Doch Deutschland ist auch noch aus einem anderen Grund entscheidend für den Erfolg der türkischen Wirtschaft: Deutsche Firmen betreiben in der Türkei derzeit 6.491 Tochtergesellschaften oder eigenständige Unternehmen. Damit liegt Deutschland in diesem Ranking unangefochten auf dem ersten Platz.

Dieser Artikel ist erschienen in der schul|bank 5/2017

Der Euro im internationalen Vergleich

18 Jahre sind vergangen – und nichts ist passiert? Diesen falschen Eindruck kann man haben, wenn man die Entwicklung vom Euro zum Dollar seit seiner Einführung im Jahr 1999 anschaut.

Aktuell steht der Wechselkurs des Euro zur US-Währung fast wieder da, von wo er vor 18 Jahren mit durchschnittlich 1,07 Dollar pro Euro gestartet war. Leicht in Vergessenheit geraten dabei allerdings die Kapriolen, die der Kurs in der Zwischenzeit geschlagen hat: So war ein Euro zeitweise nur rund 0,90 Dollar wert (Jahresdurchschnitt 2001), lag aber auch schon einmal bei 1,47 Dollar (2008). Auch gegenüber dem japanischen Yen hat sich am Wechselkurs im Vergleich zu 1999 wenig getan. Zu anderen Währungen hat der Euro in dieser Zeit hingegen mehr oder weniger deutlich zugelegt. Gegenüber dem Britischen Pfund etwa ist aktuell ein Plus von 30 Prozent zu verzeichnen – was nicht zuletzt mit dem bevorstehenden Brexit zu tun hat.

Der Schweizer Franken hingegen hat den Euro abgehängt: Um fast ein Drittel hat unsere gegenüber der Schweizer Währung abgewertet. Für die eidgenössische Wirtschaft ist das eher eine Belastung, weil dadurch ihre Waren in der Eurozone (und nicht nur dort) teurer geworden sind. Den massiven Kursrückgang führen Experten weniger auf eine Schwäche des Euro als vielmehr auf die Stärke des Franken zurück. Er gilt traditionell als Fluchtwährung in politisch oder wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Gerade in den vergangenen vier Jahren hat der Euro gegenüber dem Franken noch einmal deutlich verloren.

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PISA-Test zum Finanztwissen

Für ihren neuen PISA-Test zum Finanzmarktwissen ließ die OECD 48.000 Schüler im Alter von 15 Jahren aus 15 Industrie- und Schwellenländern befragen. Ergebnis der Studie: Viele Teenager verstehen nur wenig von Geld- und Finanzangelegenheiten. Zwei Drittel derjenigen etwa, die ein Konto haben, können einen Kontoauszug nicht richtig interpretieren. Nur jeder zehnte Jugendliche kann komplexe Finanzsachverhalte wie etwa die Einkommensteuer verstehen. In den zehn teilnehmenden OECD-Ländern kamen im Durchschnitt 22 Prozent der Befragten nicht auf das Mindestlevel, das nach Angaben der Autoren zur Teilnahme an der Gesellschaft notwendig ist. Es ist die zweite derartige PISA-Befragung zum Finanzwissen von Jugendlichen. Schüler aus Deutschland wurden für die Untersuchung erneut nicht befragt.

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um 0,5 %

hat laut Eurostat das Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März in der Eurozone gegenüber dem Vorquartal zugelegt und fiel damit mehr als doppelt so stark aus wie in den USA. Zu den am schnellsten wachsenden Euro-Ländern gehört Spanien. Hier nahm das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,8 Prozent zu. Dagegen schaffte die französische Wirtschaft nur ein Plus von 0,3 Prozent.

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Christoph Keese: Silicon Germany. Wie wir die digitale Transformation schaffen

Albrecht Knaus Verlag, München 2016, 368 Seiten, 22,99 Euro.

Christoph Keese, Vizepräsident des Axel-Springer-Verlags, gibt in seinem neuen Buch Antworten auf Fragen, die essenziell für die Zukunft der deutschen Wirtschaft und damit des Landes insgesamt sind: Ist Deutschland auf die digitale Revolution vorbereitet? Was muss es tun, um den Anschluss ans Silicon Valley halten zu können oder sogar zu einem Herausforderer der kalifornischen Tech-Avantgarde zu werden? Keese zeigt Schwachstellen auf und geht mit deutschen Unternehmen, aber auch mit Politik und Gesellschaft hart ins Gericht. Zu erfolgsverwöhnt, zu perfektionistisch seien die Deutschen: Geschäftsmodelle werden nicht hinterfragt, es mangele an mutigen Investoren, während der bürokratische Dschungel zugleich verhindere, dass es genügend leistungsfähige Breitbandnetze gebe. Um den Anschluss nicht zu verlieren, müsse das Land in absehbarer Zeit gegensteuern. Der Autor hat zahlreiche Unternehmen besucht und mit vielen Verantwortlichen gesprochen. Gerade die Mischung aus Reportage und Analyse macht das Buch leicht lesbar und trotzdem profund.

 

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