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4/2017

Im Fokus: Bedingungsloses Grundeinkommen – Für und Wider

Das bedingungslose Grundeinkommen ist in aller Munde, verspricht es doch eine sozialpolitische Antwort auf die Herausforderungen des digitalen Zeitalters zu sein. Es gibt allerdings auch eine Reihe von Bedenken und Einwänden gegen diese Idee.

Das bedingungslose Grundeinkommen klingt verheißungsvoll – aber was genau ist damit überhaupt gemeint? Zwar gibt es unterschiedliche Varianten, doch das am häufigsten erwähnte Modell sieht vor, dass die sozialpolitischen Maßnahmen eines Staates in einem einzigen Instrument gebündelt werden, eben in dem bedingungslos ausbezahlten Grundeinkommen. Dieses soll jeder Einwohner erhalten, egal ob er arm ist oder reich, ob er Arbeit hat oder keine. Staatliche Arbeitslosen- und Rentenversicherung würden ebenso wegfallen wie alle oder zumindest ein Großteil der Sozialleistungen, die sich an der Bedürftigkeit des Einzelnen orientieren. Das Grundeinkommen soll in den meisten Modellen so hoch sein, dass die Grundbedürfnisse des Lebens abgedeckt werden können. In Deutschland wird häufig ein Betrag von monatlich 1.000 Euro genannt. In der Schweiz kam es zu einer Volksabstimmung über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens in Höhe von 2.500 Franken (ca. 2.340 Euro) monatlich. Die Bevölkerung hat allerdings dagegen votiert.

Befürworter und Gegner

Die Idee, allen Bürgern ein leistungsloses Gehalt zu zahlen, das Millionen Menschen die lästige Bedarfsprüfung und dem Staat eine teure Sozialbürokratie erspart, polarisiert wie wenige andere Projekte. Kein Wunder, käme doch ein existenzsicherndes Grundeinkommen wegen seiner Bedingungslosigkeit einer sozialpolitischen Revolution gleich. Auffällig ist, dass Gegner und Befürworter quer über die politischen Lager verteilt sind. Die Gewerkschaften sind dagegen, wohingegen der Milliardär Götz Werner der in Deutschland bekannteste Verfechter dieser Idee ist; die Arbeitgeberverbände halten es für nicht finanzierbar und leistungsfeindlich, das globalisierungskritische Netzwerk Attac oder die katholische Arbeitnehmerbewegung wiederum unterstützen die Idee. Prominente Ökonomen sprechen sich sowohl für als auch gegen das bedingungslose Grundeinkommen aus.

Warum die nicht mehr ganz junge Idee eines bedingungs­losen Grundeinkommens in den letzten Jahren wieder an Popularität gewonnen hat, ist leicht einzusehen. Der strukturelle Wandel, den die Weltwirtschaft schon seit geraumer Zeit durchlebt, wird durch die Digitalisierung und die auf künstlicher Intelligenz basierende Automatisierung an Tempo und Qualität noch einmal hinzugewinnen. Schon bislang gibt es auch Verlierer dieser Entwicklung; in einigen Jahren könnten ganze Berufe und viele Arbeitsplätze wegfallen. Das Zentrum der neuen Grundeinkommensdebatte liegt deswegen nicht zufällig im Silicon Valley. Auch führende Köpfe der Digitalisierungsindustrie in Deutschland wie Joe Kaeser (Siemens) oder Timotheus Höttges (Deutsche Telekom) erkennen das Polarisierungspotenzial der Digitalisierung und plädieren aus diesem Grund für ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Erwartungen und Hoffnungen

Ist das bedingungslose Grundeinkommen also eine Antwort auf die Frage, wie der Sozialstaat an die Erfordernisse des digitalen 21. Jahrhunderts angepasst werden kann? Die Erwartungen sind vielfältig: Die Befürworter sehen in ihm sowohl ein Rezept gegen die soziale Ungleichheit und für eine Modernisierung der Sozialsysteme als auch eine Kompensation für den Wegfall von Arbeitsplätzen durch den technologischen Wandel. Doch das bedingungslose Einkommen rührt noch an einem ganz anderen Nerv: Von nicht wenigen wird es als eine Art Befreiung von den Zwängen der modernen Arbeitswelt begriffen, die innovative Kräfte freisetzen wird. Die Frage, ob und wie man zwischen Erwerbs- und Erziehungsarbeit, Ehrenamt, künstlerischer Betätigung oder Pflegetätigkeiten hin und her wechseln kann, würde – so die Erwartung – neu beantwortet werden. Obendrein müsste sich niemand, der heute Sozialleistungen bezieht, künftig noch als Bittsteller fühlen und seine Lebensumstände vor Wildfremden offenbaren, wenn es ein bedingungsloses Grundeinkommen gibt. Auch müsste niemand schlecht entlohnte und unzumutbare Arbeit annehmen, um die Familie durchzubringen.

Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens argumentieren zu Recht, dass die Zukunftsfähigkeit der Sozialsysteme nicht gesichert ist und dass der technologische Wandel unsere Gesellschaft grundlegend verändern wird. Zudem verweisen sie darauf, dass die konkrete Ausarbeitung des bedingungslosen Grundeinkommens – also vor allem die politisch zu bestimmende Höhe des Existenzminimums, die der Höhe des Grundeinkommens entspricht – genügend Freiraum für spezifische Anpassungen an heute noch unbekannte neue Herausforderungen der Zukunft biete.

Fragen und Einwände

Doch Fragen und Einwände gibt es viele. Zunächst die Fragen: Soll das Grundeinkommen tatsächlich an jeden Bürger in gleicher Höhe ausgezahlt werden – ob jung oder alt, vermögend oder mittellos? Und wer sind dann überhaupt die Bürger? Inhaber eines deutschen Passes? Die jeweilige Wohnbevölkerung? Auch Kinder, die im Ausland leben? Asylbewerber? Was die Modalitäten anbelangt: Erhält jeder das Grundeinkommen auf sein Konto überwiesen, oder soll in Höhe des Grundeinkommens „nur“ ein Steuerfreibetrag eingeräumt werden, der lediglich bei fehlendem oder sehr geringem eigenem Einkommen tatsächlich ausgezahlt wird? Für die Finanzierbarkeit des Grundeinkommens ist diese Frage ebenso wichtig wie die Frage, welche bestehenden Sozialleistungen entfallen würden. Tatsächlich alle? Was wird aus bereits erworbenen Ansprüchen auf Sozialleistungen? Wie verhält es sich etwa mit der Krankenversicherung – wer zahlt Beiträge in welcher Höhe und wer nicht? Was ist mit Pflegefällen, mit Menschen, die auf intensive Betreuung angewiesen sind? Gibt es noch Unterhaltsverpflichtungen für eigene Kinder oder wird das eine Aufgabe der Gesamtgesellschaft?

Eng verknüpft mit diesen Fragen ist die Frage, wie das bedingungslose Grundeinkommen überhaupt finanziert werden soll. Kritiker weisen darauf hin, dass es nicht zu niedrig ausfallen dürfe, wenn es seine Funktion erfüllen soll. Bei einer Summe von 1.000 Euro im Monat würden sich die Kosten in Deutschland aber auf knapp eine Billion Euro belaufen, das wäre mehr, als Bund und Länder heute an Steuern einnehmen (800 Milliarden Euro). Die öffentlichen Haushalte müssten also auf eine völlig neue Grundlage gestellt werden, andere Sozialleistungen wären kaum noch finanzierbar. Befürworter wenden ein, dass die Finanzierung aufgrund des hohen Produktionsniveaus und unter dem Eindruck etlicher seriöser Studien eher eine Frage des politischen Willens als der ökonomischen Machbarkeit wäre. Bei entsprechender Besteuerung wäre das Grundeinkommen bezahlbar; immerhin würden die Sozialabgaben komplett wegfallen. Der Staat würde außerdem sparen, weil die Sozialbürokratie radikal verschlankt werden könnte.

Grundeinkommen und Arbeitsvolumen

Eine wiederum andere Frage ist die, welche Auswirkungen ein leistungsloses Einkommen auf die Arbeitsbereitschaft der Menschen haben würde. Wäre zu erwarten, dass das Arbeitsvolumen und damit auch das zu versteuernde Einkommen zurückgehen, weil viele Menschen nun gar nicht mehr oder weniger arbeiten würden? Befürworter des bedingungslosen Grundeigentums argumentieren, dass es neben dem Monetären viele weitere Gründe gebe, zu arbeiten: soziale Integration, Selbstverwirklichung, Stolz oder Anerkennung. Obendrein würden 1.000 Euro monatlich den meisten Menschen gar nicht ausreichen. Davon abgesehen könnte gerade die gesicherte Grundexistenz dazu führen, dass mehr unternehmerische Risiken eingegangen werden.

Kritiker des Grundeinkommens entgegnen, dass Menschen ohne Job weniger Anreiz hätten, sich aus eigener Kraft von der staatlichen Abhängigkeit zu befreien; schließlich würde es sich mit dem Grundeinkommen bescheiden leben lassen. Vor allem aber: Viele Menschen könnten darüber nachdenken, ihre Arbeitszeit zu verringern, da sie den Einkommensverlust mit dem Grundeinkommen ausgleichen könnten. Wenn dann aber ein verringertes Produktionsvolumen auf eine gleich große Nachfrage stoßen würde, müssten zwangsläufig die Preise steigen, sofern die Produktivität zunächst auf gleichem Niveau bleibt.

Weniger Jobs durch Digitalisierung?

Aber wird das bedingungslose Grundeinkommen nicht gerade deswegen propagiert, weil damit zu rechnen ist, dass ohnehin bald zahlreiche Jobs durch Roboter und digitale Arbeitsprozesse ersetzt werden? An dieser Stelle widersprechen viele Ökonomen und weisen darauf hin, dass es technologischen Wandel seit über zwei Jahrhunderten gebe und er fast immer dazu geführt habe, dass bessere, humanere und höher bezahlte neue Jobs anstelle der weggefallenen entstanden sind. So berechtigt die Befürchtungen bei allen Innovationsschüben waren, immer habe ein Wahrnehmungsdilemma zugrunde gelegen: Wir sehen, was wegfällt, wir erkennen aber kaum, was Neues entsteht. Auch Digitalisierung und Automatisierung werden nach Ansicht verschiedener Experten viele neue Jobs schaffen; gerade jene Berufe könnten attraktiver werden, bei denen es auf menschliche Empathie und Kreativität ankommt und die heute noch immer sehr schlecht bezahlt werden. Deswegen solle über die Frage, wie Menschen und Maschinen künftig sinnvoll zusammenarbeiten und mithilfe von künstlicher Intelligenz mehr leisten können, diskutiert werden, anstatt mit der Debatte um das Grundeinkommen verfrüht zu signalisieren, dass man vor der digitalen Zukunft kapituliert habe.

Nicht zuletzt bemängeln Kritiker, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen lediglich der Versuch wäre, die arbeitslos werdenden Menschen ruhigzustellen, statt ihnen zu helfen, sich anzupassen und die Chancen des technologischen Wandels zu nutzen. Gerade die sozial Schwächsten würden eine bessere Bildung und Bildungsinfrastruktur, mehr Fortbildungsmöglichkeiten, bessere Jobs und ein stärkeres Arbeitsmarktangebot benötigen. Freie Zeit und ein Grundeinkommen stellten keine geeignete Kompensation dar. Die Vorstellung, jeder Empfänger eines Grundeinkommens würde sofort in neuen Engagements eine Heimat und Erfüllung finden, sei obendrein naiv. Wenn es zu einem bedingungslosen Grundeinkommen käme, müsste seine Einführung deswegen von einer ganzen Reihe von Projekten flankiert werden, die die Menschen an ihre veränderte Rolle in der Gesellschaft gewöhnen.

Dieser Artikel ist erschienen in der schul|bank 4/2017

Schulden weltweit

Die globale Schuldenquote ist Ende 2016 auf 325 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen. Vor allem der Unternehmenssektor in Schwellenländern bereitet Sorgen.

Auch im vergangenen Jahr ist der globale Schuldenberg weiter angestiegen: Laut Schuldenmonitor des Institute of International Finance (IIF) stieg die globale Verschuldung 2016 auf 215 Billionen US-Dollar oder 325 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung (BIP) – das sind 70 Billionen Dollar mehr als vor zehn Jahren. Drei Viertel der heutigen Schulden gehen auf das Konto der Industriestaaten; dort ist der Anstieg der vergangenen zehn Jahre vor allem auf die gestiegene Staatsverschuldung zurückzuführen. In den USA und Großbritannien etwa hat sich die Staatsverschuldung nominal mehr als verdoppelt, in Japan und der Euro-Zone hat sie um die Hälfte zugenommen. Der Finanzsektor und die privaten Haushalte haben dagegen ihre Verschuldung abgebaut, während der Unternehmenssektor relativ stabil geblieben ist.

Verschuldung in den Schwellenländern

Anders ist die Situation in den Schwellenländern: Diese waren Ende 2016 über alle Sektoren hinweg zwar „nur“ mit 56 Billionen Dollar oder 215 Prozent des BIP verschuldet, die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre bezeichnet das IIF aber als spektakulär. Nominal hat sich der Schuldenberg in diesem Zeitraum um 40 Billionen Dollar mehr als verdreifacht. Hierzu beigetragen haben der öffentliche Sektor, die privaten Haushalte und der Finanzsektor, vor allem aber Unternehmen außerhalb der Finanzbranche, die die niedrigen Zinsen genutzt haben, um Kredite aufzunehmen. Firmen in China, der Türkei, Chile und Saudi-Arabien haben die am stärksten wachsenden Schuldenquoten. So weisen die chinesischen Unternehmen Schulden auf, die 166 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung ausmachen.

Problematisch an der Verschuldung der Schwellenländer (allerdings nicht in China) ist vor allem die Schuldenaufnahme in fremder Währung. Auch wenn Kredite in lokaler Währung an Bedeutung gewinnen, wird noch immer knapp die Hälfte vor allem in US-Dollar vergeben. Durch Fremdwährungskredite machen sich Staaten und Unternehmen von Währungsschwankungen und Zinsänderungen abhängig: Ein höherer Außenwert des Dollars und steigende Zinsen erhöhen die Kosten für die Kredit-nehmer, weil diese dann mehr Mittel für den Schuldendienst aufbringen müssen. Experten warnen immer wieder davor, dass dies eine Kette von Zahlungsausfällen bewirken und eine Finanzkrise auslösen kann.

Dieser Artikel ist erschienen in der schul|bank 4/2017

Handel zwischen Industriestaaten nicht mehr dominierend

In mehr als die Hälfte des Welthandels sind die Schwellen- und Entwicklungsländer involviert. Die Abhängigkeit von der Konjunktur in den Industrieländern ist geringer geworden, aber immer noch ausgeprägt.

Der wirtschaftliche Aufstieg großer Schwellenländer drückt auch dem Welthandel seinen Stempel auf. Wurden noch in der ersten Hälfte der Neunzigerjahre die meisten Waren zwischen den Industriestaaten ausgetauscht, so hat sich dies im Laufe der Zeit erheblich geändert: Laut eines gemeinsamen Berichts von Weltbank, Internationalem Währungsfonds und Welthandelsorganisation entfällt mittlerweile der größte Anteil des Warenverkehrs auf den Handel zwischen fortgeschrittenen Volkswirtschaften und Schwellen- bzw. Entwicklungsländern. Der Handel zwischen den Industriestaaten ist auf unter 40 Prozent gefallen. Dies hat mit dem wachsenden Wohlstand von Ländern wie China und Indien zu tun, aber auch mit der Verlagerung von Fertigungsstätten, denn inzwischen produzieren viele meist größere Unternehmen aus den Industriestaaten in den Schwellen- und Entwicklungsländern, von wo aus die Produkte dann teilweise wieder in die Industrieländer exportiert werden.

Abhängigkeit geringer, aber weiter groß

Auch der Handel unter den Schwellenländern hat an Bedeutung gewonnen. Mittlerweile sind diese Volkswirtschaften weniger von der Wirtschaftsentwicklung in den Industrieländern abhängig als in der Vergangenheit; das Wachstum wird auch durch inländische Trends gestützt. Gleichwohl bleiben die Industrieländer für die Industriegüterproduzenten unter den Schwellenländern die wichtigsten Absatzmärkte. Das gilt insbesondere für viele der ostasiatischen Volkswirtschaften. Ohne eine kräftige Erholung in den Industrieländern ist daher auch kaum mit einem höheren Wachstum der Industriegüterexporte und der Wirtschaft insgesamt in den Schwellenländern zu rechnen.

Dieser Artikel ist erschienen in der schul|bank 4/2017

Politik zieht Märkte in ihren Bann

Der Monat April hat gezeigt, wie sehr politische Entscheidungen die Märkte in ihren Bann ziehen können. Zunächst Großbritannien: Als die britische Premierministerin Theresa May Mitte des Monats ankündigte, sie wolle am 8. Juni Neuwahlen ansetzen, stieg der Pfundkurs rasant an. Die Mehrheit der Marktteilnehmer hielt es offensichtlich für eine gute Nachricht, dass die Tories mutmaßlich gestärkt aus den Wahlen hervorgehen werden. Die heftigen Ausschläge nach oben sind allerdings nur ein Beleg dafür, wie groß die Nervosität an den Finanzmärkten angesichts des bevorstehenden EU-Austritts der Briten tatsächlich ist. Es gibt deshalb auch warnende Stimmen: Die Neuwahl werde in zentralen Brexit-Fragen nicht für mehr Klarheit sorgen, sagen verschiedene Analysten. So wüssten die Unternehmen in Großbritannien auch nach der Wahl nicht, inwiefern der Brexit zu Handelshürden zwischen dem Königreich und den EU-Staaten führen werde. Diese Ungewissheit werde die Bereitschaft zu Investitionen auf der Insel weiterhin hemmen.

Dann Frankreich: In den beiden Börsenwochen vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen herrschte große Unsicherheit. Viele Marktteilnehmer hielten sich wegen des ungewissen Ausgangs der Wahlen und aus Sorge vor einem möglichen Stichentscheid zwischen Le Pen und Mélenchon zurück, so dass etwa der Dax auf Monatssicht ein Minus von mehr als zwei Prozent verzeichnete. Anschließend die Erleichterung: Die erste Runde der Wahlen entschied der liberale Kandidat Macron mit 23,8 Prozent der Stimmen für sich. Verschiedene Aktienindizes (darunter der Dax) erreichten am Montag nach der Wahl ein Zwei-Jahres-Hoch. Nicht nur die Aktien legten zu, auch der Euro stieg zeitweilig auf ein Fünfeinhalb-Monats-Hoch von mehr als 1,09 Dollar. An den Finanzmärkten, so die Einschätzung der Experten, wüchsen nun Hoffnungen auf die dringend benötigten Reformen. Zahlreiche Analysten warnten aber auch vor zu viel Euphorie. Erst nach der Stichwahl werde klar sein, ob der Börsenliebling Macron oder Le Pen in den Élysée-Palast einziehen wird.

Dieser Artikel ist erschienen in der schul|bank 4/2017

Deutschland erreicht 0,7-Prozent-Ziel

Deutschland hat 2016 erstmals das von den UN vorgegebene Ziel von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für offizielle Entwicklungshilfe erreicht – dank der Flüchtlingsausgaben.

Das Ziel stammt aus dem Jahr 1972: Damals hatten die Vereinten Nationen ausgegeben, die reichen Staaten sollten jährlich offizielle Entwicklungshilfeausgaben (ODA) in Höhe von 0,7 Pro­zent des Bruttonationaleinkommens tätigen. 44 Jahre später hat Deutschland dieses Ziel erstmals erreicht. Laut OECD gaben Bund, Länder und Kommunen 2016 über 22 Milliarden Dollar für offizielle Entwicklungshilfe aus; im Vergleich zu 2015 sind die Mittel um 36,1 Prozent angewachsen. Doch die höheren Entwicklungsleistungen gehen zu einem großen Teil auf die gestiegenen Flüchtlingsausgaben im Inland zurück. Hintergrund: Erstmals konnten Industriestaaten im vergangenen Jahr bestimmte Ausgaben für die Versorgung von Flüchtlingen als Entwicklungshilfe verbuchen. Ohne diese Anrechnung läge die deutsche Quote bei 0,52 Prozent und damit in jenem Bereich, in dem sie sich auch in den vergangenen Jahren bewegte.

Sechs Staaten erreichen die Quote

Insgesamt haben die Ausgaben der 29 Geberländer im OECD-Entwicklungsausschuss einen neuen Höchststand erreicht: Sie lagen 2016 bei rund 134 Milliarden Euro, das entspricht einem Anstieg um 8,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Anteil am jeweiligen Bruttonationaleinkommen lag im Durchschnitt bei 0,32 Prozent. Größter Geldgeber sind die USA, dann folgen Deutschland, Großbritannien, Japan und Frankreich. Wie Deutschland haben auch Norwegen, Luxemburg, Schweden, Dänemark und Großbritannien die ODA-Quote von 0,7 Prozent erreicht oder überschritten. Die USA sind zwar der größte Geldgeber mit rund 32 Milliarden Euro, aber ihre Quote liegt nur bei 0,18 Prozent. Die endgültigen ODA-Zahlen gibt die OECD am Jahresende bekannt.

Dieser Artikel ist erschienen in der schul|bank 4/2017

Vertrauen in die Sicherheit von Onlinebanking gestiegen

Fast jeder zweite Deutsche nutzt mittlerweile Onlinebanking zur Erledigung der Bankgeschäfte. Dabei ist das Vertrauen in die Sicherheit der Technik mit der Zeit gewachsen: Hielt vor zehn Jahren nur rund ein Drittel (36%) der Bundesbürger Onlinebanking für sicher oder sehr sicher, so ist es heute bereits die Hälfte (50%), wie eine aktuelle Umfrage der GfK Marktforschung im Auftrag des Bankenverbandes ergab. Knapp ein Drittel der Befragten hält Onlinebanking für nicht so sicher, 15 Prozent für gar nicht sicher. Der Bankenverband weist darauf hin, dass für ein sicheres Onlinebanking der Kunde seinen PC, sein Tablet und auch sein Smartphone vor Phishing und Schadsoftware gut schützen muss. Für den PC sind ein aktueller Virenscanner und eine Firewall zwingend erforderlich. Für alle Geräte gilt, dass die Software stets aktuell sein sollte. Auch mit persönlichen Daten und Zugangsdaten wie PIN und TAN müssen Bankkunden generell sehr sorgfältig umgehen.

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Geldvermögen der Deutschen steigt auf Rekord

Das Geldvermögen der Deutschen ist im vergangenen Jahr weiter angestiegen. Schlecht aus Sicht der Anleger: Knapp die Hälfte des Ersparten liegt auf unverzinsten Girokonten.

Das Geldvermögen der Deutschen ist Ende 2016 auf ein Rekordniveau gestiegen: Nach Angaben der Deutschen Bundesbank erreichten die Ersparnisse einen Wert von knapp 5,6 Billionen Euro. Das entspricht rechnerisch 68.000 Euro je Einwohner, wobei Immobilien aufgrund ihrer komplizierten Bewertbarkeit nicht berücksichtigt werden. Der Vermögenszuwachs im vergangenen Jahr beläuft sich auf 244 Milliarden Euro. Der Großteil davon ist auf emsiges Sparen der Bevölkerung zurückzuführen: 195 Milliarden Euro wurden zur Seite gelegt. Das sind rechnerisch 200 Euro je Einwohner und Monat. Fast die Hälfte davon wurde in Lebensversicherungen und anderen Altersvorsorgeprodukten angelegt. Die darüber hinausgehenden Ersparnisse flossen nahezu komplett in Bargeld und meist unverzinste Sichteinlagen.

Gleichwohl gibt es Umschichtungen in den anderen Vermögensformen: Seit Jahren werden längerfristige Sparformen wie mehrjährige kaum verzinste Sparbriefe abgebaut. Auch in Anleihen wird weniger investiert. Dafür werden Positionen in Aktien und Fonds aufgebaut. Der Kapitalmarktanteil am Geldvermögen der Deutschen bleibt dennoch gering. Rund 40 Prozent liegen nahezu zinslos auf Konten herum, weitere 40 Prozent stecken in Versicherungen und nur gut 10 Prozent in Aktien und knapp 10 Prozent in Fonds. Immerhin: Bewertungsgewinne von Aktien und Fonds waren speziell im vierten Quartal für mehr als die Hälfte des Geldvermögenszuwachses verantwortlich.

Dieser Artikel ist erschienen in der schul|bank 4/2017

Mit 6,9 %

Wachstum im Vergleich zum Vorjahreszeitraum legte die chinesische Wirtschaft im ersten Quartal 2017 überraschend kräftig zu. Schon die 6,8 Prozent im letzten Quartal des vergangenen Jahres waren von vielen Experten nicht erwartet worden. Für dieses Jahr hatte die Regierung eigentlich ein etwas niedrigeres Wachstumsziel von „rund 6,5 Prozent“ vorgegeben. Im vergangenen Jahr war Chinas Wirtschaft um 6,7 Prozent gewachsen – so langsam wie seit über einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

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Gabriel Rath: Brexitannia. Die Geschichte einer Entfremdung. Warum Großbritannien für den Brexit stimmte

Braumüller Verlag, Wien 2016, 208 Seiten, 20,00 EUR.

Der Brexit als eine Geschichte der Entfremdung: zwischen Großbritannien und der EU, zwischen den britischen Eliten und dem Volk, zwischen dem Autor und seiner Wahlheimat – diese Perspektive hat Gabriel Rath, Großbritannien-Korrespondent der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“, in seinem Buch „Brexitannia“ eingenommen. Rath beschreibt kenntnisreich und eloquent, anekdotisch und humorvoll, wie es zum Brexit kommen konnte. Sein Augenmerk legt er dabei insbesondere auf die über Jahre gewachsene Spaltung der britischen Gesellschaft, die im Brexit-Referendum offenkundig geworden ist. Der Autor analysiert aber auch den Berg an Aufgaben, die dem Austrittskandidaten ebenso wie der Union nun bevorstehen, wobei er keinen Zweifel daran lässt, dass das Vereinigte Königreich für den Austritt aus der EU eine hohe Rechnung wird begleichen müssen. Ein erhellendes Buch, das einiges darüber verrät, wie das politische System Großbritanniens funktioniert.

 

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