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6/2017

Im Fokus: Der deutsche Überschuss in der Leistungsbilanz – Teil 2

Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss ist ein wiederkehrendes Thema auf internationalen Konferenzen, Gipfeltreffen und ganz allgemein in der politischen Auseinandersetzung. Zusammengefasst wird Deutschland vorgeworfen, zu viel zu exportieren, vor allem aber zu wenig aus dem Ausland zu importieren. Das Ergebnis: ein Leistungsbilanzüberschuss von rund 261 Milliarden Euro im Jahr 2016; dies entsprach 8,6 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Dieser Überschuss wird von vielen Experten zumindest auf lange Sicht als schädlich angesehen, geht er doch spiegelbildlich einher mit einem Leistungsbilanzdefizit der Handelspartner, die sich verschulden müssen, um ihre Defizite zu finanzieren. Würde die deutsche Regierung aber die Weichen dafür stellen, dass Konsumenten und Unternehmen in Deutschland mehr importieren, so die Erwartungen bzw. Forderungen an die deutsche Adresse, könnte der deutsche Überschuss abgebaut und zugleich die Wirtschaft in anderen Ländern des Euro-Raums angekurbelt werden.

Deutsche Exportstärke

Was aber sind überhaupt die Gründe für den hohen deutschen Überschuss, der vor allem auf einem Überschuss in der Handelsbilanz beruht? Müssen wir mehr auf den Export oder mehr auf den Import schauen? Was die Ausfuhren anbelangt, so wird kaum in Frage gestellt, dass die hohe Qualität deutscher Waren, etwa im Maschinenbau, aber auch in der Chemie- oder in der Automobilindustrie, von wesentlicher Bedeutung für die Exporterfolge der deutschen Wirtschaft ist. „Made in Germany“ wird von vielen Abnehmern im Ausland noch immer als ein Gütesiegel angesehen, das für hohe Produktstandards steht. Kurz: Deutsche Produkte gelten als besonders wettbewerbsfähig und werden deshalb auf der ganzen Welt mit Erfolg verkauft. Gerade der wirtschaftliche Aufstieg der Schwellenländer hat zu einer besonders großen Nachfrage nach Produkten der deutschen Investitionsgüterbranche geführt.

Verschiedentlich wird Deutschland in diesem Zusammenhang allerdings vorgeworfen, durch eine Politik der Lohnzurückhaltung die deutschen Ausfuhrwaren künstlich verbilligt zu haben, um so den Export zu fördern. Ist dieser Vorwurf stichhaltig? Tatsächlich liegen die tariflich vereinbarten Lohnerhöhungen in Deutschland erst seit 2014 nennenswert über der Inflation – und das trotz der schon seit mehreren Jahren guten Lage auf dem Arbeitsmarkt. Dies macht nicht nur den Export preiswert, sondern führt zugleich dazu, dass sich die Deutschen weniger ausländische Produkte kaufen können. Allerdings werden die Löhne nicht vom Staat festgelegt, sondern von den Tarifparteien ausgehandelt, also von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften. Eine politische Strategie, die auf niedrige Löhne setzt, kann schon vor diesem Hintergrund kaum funktionieren. Vor allem aber ist Deutschland nach wie vor ein Hochlohnland; auch das Lohnstückkostenniveau der produzierenden Industrie ist nach wie vor hoch. Das IW Köln hat berechnet, dass sich die deutschen Lohnstückkosten im Zeitraum 1999 bis 2007 zwar wesentlich günstiger als im Euroraum entwickelten. Seit 2011 würden sie jedoch wieder stärker anziehen als bei der ausländischen Konkurrenz insgesamt und als im Euroraum. Als Begründung für das hohe deutsche Exportvolumen kann das Lohnniveau in Deutschland also kaum herhalten.

Schwacher Euro

Eine Entlastung brachte den deutschen Exporteuren hingegen der seit 2015 schwächer notierte Euro. Eigentlich müssten die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse ja dazu führen, dass die eigene Währung stärker wird – schließlich ist mit den Waren auch die Währung begehrt. Ein steigender Wechselkurs würde dann wiederum die deutschen Produkte teurer und für andere Länder weniger attraktiv machen; gleichzeitig wären ausländische Produkte für die Deutschen günstiger. Doch wegen der Mitgliedschaft in der Europäischen Währungsunion ist eine Aufwertung der deutschen Währung, also des Euro, bislang unterblieben. Grund: Die Europäische Zentralbank hält die Zinsen nahe null, um die Wirtschaft in den schwächeren Euro-Staaten anzukurbeln. Die fehlende Aufwertung, sagen Ökonomen, habe mit dazu geführt, dass der Leistungsbilanzüberschuss in den letzten Jahren so stark angestiegen sei. Ein „Währungsmanipulator“ aber, wie hier und da behauptet, ist Deutschland keineswegs, ist es doch nicht zuletzt die Deutsche Bundesbank, die auf einen zügigen Ausstieg der EZB aus ihrer ultralockeren Geldpolitik pocht.

Schwaches Importwachstum

Ungeachtet der Gründe für die deutsche Exportstärke lohnt vor allem ein Blick auf die Importseite der deutschen Handelsbilanz, denn in den zurückliegenden Jahren war eines augenfällig: Deutschland hat mit das schwächste Importwachstum unter allen industrialisierten Ländern, deren Wirtschaft prosperiert. Für die Höhe der Importe spielt die Inlandsnachfrage eine maßgebliche Rolle, denn stagniert etwa die Binnenwirtschaft eines Landes, während die Weltwirtschaft wächst, werden die Importe nur schwach zunehmen, die Exporte aber sehr viel stärker, was zur Aktivierung der Handelsbilanz führt.

Was bedeutet das mit Blick auf Deutschland? Zunächst sei daran erinnert, dass der Leistungsbilanzsaldo per definitionem dem Nettosparen der Unternehmen, des öffentlichen Sektors und des Haushaltssektors entspricht. Mehr Sparen bedeutet zugleich, dass weniger investiert wird. Und tatsächlich spiegeln die Leistungsbilanzüberschüsse der vergangenen Jahre zwei Tendenzen wider: Zum einen hat sich die deutsche Sparquote seit der Jahrtausendwende um ungefähr 5,5 Prozentpunkte erhöht. Gleichzeitig ist die deutsche Investitionsquote um etwa 4,5 Prozentpunkte gesunken. Die Frage nach den Ursachen der deutschen Leistungsbilanzüberschüsse muss also auch bei den Faktoren ansetzen, die in den vergangenen Jahren zur Steigerung der deutschen Sparquote und zum Sinken der deutschen Investitionsquote geführt haben.

Investitionsschwäche und ihre Gründe

Als mögliche Ursachen der allseits konstatierten Investitionsschwäche werden in der akademischen und außerakademischen Diskussion eine ganze Reihe von Variablen ins Spiel gebracht, unter anderem der demografische Wandel, der für die alternde Baby-Boomer-Generation einen starken Anreiz schafft, private Ersparnisse zu bilden. Was den Rückgang der Investitionen betrifft, so wird häufig auf die sinkenden Investitionen der öffentlichen Hand verwiesen. Außerdem werden ein wenig attraktives Investitionsklima als Ursache ins Feld geführt sowie der Anreiz der Unternehmen, einen Teil ihrer Produktion ins Ausland zu verlagern. Auch ein mit Unsicherheiten behafteter globaler Konjunkturausblick dürfte dazu beigetragen haben, dass die Unternehmen einen beträchtlichen Teil ihrer Gewinne einbehielten. Einigkeit besteht darin: Es wäre im deutschen wie im europäischen Interesse, wenn die Investitionsquote wieder steigen würde.

Überschuss reduzieren?

Gründe für den Leistungsbilanzüberschuss gibt es also viele, und es ist durchaus umstritten, welchen von ihnen am meisten Gewicht zukommt. Wenn an Deutschland die Forderung gerichtet wird, den Überschuss zu reduzieren, läuft dies meist auf die Empfehlung hinaus, Deutschland solle die heimische Nachfrage erhöhen. Doch ist es überhaupt sinnvoll, eine solche Forderung zu stellen? In diesem Zusammenhang muss berücksichtigt werden, dass zum einen Deutschlands Überschüsse gegenüber den anderen Euroländern in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen sind, zum anderen nicht klar ist, wie stark sich sinkende deutsche Leistungsbilanzsalden auf die Konjunktur dieser Volkswirtschaften überhaupt auswirken würden. Auch ist umstritten, ob die Bundesregierung viel gegen einen hohen Exportüberschuss tun kann, der sich aus den Einzelentscheidungen von Millionen Leuten innerhalb und außerhalb Deutschlands ergibt.

Gleichwohl: Die deutsche Regierung hat ein ureigenes Interesse daran, dass die hohen Überschüsse abgebaut werden. Schließlich hat die Vergangenheit gezeigt, dass ein nicht unerheblicher Teil des durch die Leistungsbilanzüberschüsse aufgebauten Auslandsvermögens verloren gegangen ist. Auch wäre ein höheres Investitionsniveau gut für die deutsche Volkswirtschaft. Bei den öffentlichen Investitionen, etwa dem Ausbau von Breitband-Netzen oder der Modernisierung von Straßen, könnte der Staat selber direkt eingreifen: Erhöht er seine diesbezüglichen Ausgaben, dürfte dies zwar kaum auf direktem Wege zu höheren Importen führen, weil der Import- anteil staatlicher Investitionen zu gering ist. Öffentliche Investitionen haben aber hohe Multiplikatorwirkungen, so dass sie die Binnenwirtschaft insgesamt stützen, die Kapazitätsnutzung steigern und die Ausrüstungsinvestitionen und Importe anregen würden.

Privatwirtschaftliche Investitionen wiederum könnten etwa dadurch gesteigert werden, dass Bürokratie abgebaut und der Dienstleistungssektor liberalisiert wird. Außerdem gilt: Wer die Binnennachfrage anregen möchte, könnte die Steuern verringern. Wenn die Deutschen über Steuersenkungen mehr Geld in der Tasche hätten, wären sie in der Lage, auch mehr Geld für Importwaren auszugeben. Allerdings hat das Bundeswirtschaftsministerium gerade prüfen lassen, ob eine Senkung der Mehrwertsteuer zum Abbau des Überschusses beitragen könnte. Wie man hört, war das Ergebnis nicht überzeugend: Wenn mehr Netto vom Brutto übrig bleibt, geben die Menschen zwar mehr Geld aus, aber nicht unbedingt für Waren aus dem Ausland. Ob also wirklich gezielte Maßnahmen zu einem Abbau des Überschusses beitragen, bleibt fraglich.

Dieser Artikel ist erschienen in der schul|bank 6/2017

SCHUL/BANKER – Anmeldung jetzt!

Bald ist es so weit: SCHUL/BANKER, der bundesweite Schülerwettbewerb des Bankenverbandes, startet zum 20. Mal in eine neue Runde. Ab November heißt es für engagierte Schülerinnen und Schüler einmal selbst Banker zu sein, das Management einer Bank eigenverantwortlich zu übernehmen und im Team alle für den Geschäftsbetrieb erforderlichen Entscheidungen zu treffen – genau so, wie sie auch in der Realität vom Management getroffen werden. Für alle, die im kommenden Schuljahr dabei sein möchten: Infos und Anmeldung unter www.schulbanker.de. Anmeldeschluss ist der 30. September 2017. Teilnehmen können Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe an allgemeinbildenden Gymnasien und Gesamtschulen, Realschüler der 10. Klasse sowie Schüler an berufsbildenden Gymnasien (gymnasiale Oberstufe) und an Berufsschulen in der Erstausbildung. Die Teams müssen aus mindestens drei und dürfen aus höchstens sechs Mitgliedern bestehen.

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Wachstumsspitzenreiter mit Strukturproblemen

Berlins Wirtschaft meldet die bundesweit höchsten Wachstumszahlen. Ein Strukturproblem aber bleibt: Die industrielle Basis ist schwach.

Berlins Wirtschaft boomt: Um 2,7 Prozent hat sie 2016 zugelegt – und damit gemeinsam mit Sachsen alle anderen Bundesländer abgehängt. Die Arbeitslosigkeit ist zwar mit mehr als 9 Prozent noch immer hoch. Doch immerhin: 50.000 Stellen wurden 2016 neu geschaffen, weitere Jobs dürften in diesem Jahr entstehen. Der Beschäftigungsaufbau erfolgt vor allem im Dienstleistungssektor, der der mit Abstand wichtigste Wirtschaftsbereich der Stadt ist. Aber auch im Baugewerbe, im Bildungsbereich und natürlich in den Start-up-Unternehmen wird mit mehr Umsatz und damit auch größerem Personalbedarf gerechnet.

Keine Industriestadt mehr

Nur die Berliner Industrie wird wohl auf ihrem Beschäftigungsstand von gut 100.000 Stellen verharren. 2016 hatte sie ihre Wirtschaftsleistung lediglich um 0,6 Prozent steigern können, während es bundesweit fast 2 Prozent waren. Zur gesamten Wirtschaftsleistung der Stadt steuert die Industrie nicht einmal 10 Prozent bei. Das war einmal anders: Noch vor 100 Jahren war Berlin mit etwa 600.000 Beschäftigten die größte Industriestadt Kontinentaleuropas. Nach dem Zweiten Weltkrieg aber begann der Abstieg der zweigeteilten Stadt, der sich mit der Wiedervereinigung Deutschlands verschärft fortsetzte. Die bis dato hochsubventionierten Werkbänke im Westteil der Stadt überlebten die Wende genauso wenig wie die zumeist maroden Industriekombinate im Osten. Klar aber ist: Neben Tourismus, Medien- oder Kreativwirtschaft braucht Berlin auch weiterhin Industrie, denn an jedem industriellen Arbeitsplatz hängen mindestens zwei weitere Stellen im Dienstleistungsbereich.

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Renditen steigen nach Draghi-Rede

Mit dieser heftigen Reaktion hat Mario Draghi wohl selbst nicht gerechnet. Nachdem der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) beim jährlichen Treffen der Notenbanker im portugiesischen Sintra Ende Juni das Wort ergriffen und einen ersten Hinweis auf eine bevorstehende Straffung der Geldpolitik gegeben hatte, ist viel Bewegung in die Märkte gekommen. Investoren sprachen von einem kleinen Ausverkauf am Anleihemarkt. Und in der Tat: Die Musik hat in den vergangenen Wochen am Markt für festverzinsliche Anleihen gespielt. Dort zogen die wichtigsten Marktzinsen wie zum Beispiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe deutlich nach oben: Letztere stieg in wenigen Tagen von 0,25 auf bis zu 0,48 %. Auch die Anleiherenditen anderer Euro-Länder legten merklich zu. Das Urteil an den Märkten war klar: Die Anleger bereiten sich auf ein Ende der extrem lockeren Geldpolitik in Europa vor. Draghis Worte waren durchaus überraschend: Noch nach der letzten EZB-Sitzung im Juni hatte der Notenbankchef zwar die Option weiterer Zinssenkungen ausgeschlossen und die Konjunkturrisiken als ausgewogen bezeichnet. Aber er hatte auch explizit auf die niedrige Inflation verwiesen, und die EZB senkte sogar ihre Inflationsprognosen.

Ungeachtet der Worte des EZB-Präsidenten erhöht die sich stabilisierende Konjunktur in Europa den Druck auf die EZB, sich mit dem ersten Schritt hin zu einer Normalisierung der Geldpolitik zu befassen. Auch die Aktienmärkte blieben von all dem nicht unbeeindruckt. Der deutsche Aktienindex Dax hat nach der Rede von EZB-Präsident Mario Draghi nachgegeben – auch weil Anleihen bald wieder eine Alternative zu Aktien darstellen könnten. Zudem halten Experten eine Wende in der Geldpolitik vor allem für Unternehmen mit einer hohen Verschuldung für belastend. Bleibe die Gewinnentwicklung der Unternehmen allerdings weiterhin gut und schafften es die wichtigen Notenbanken, behutsam ihre Stimuli zu reduzieren, sollte die Entwicklung der Aktienmärkte weiter in ruhigen Bahnen verlaufen, erwarten die meisten Analysten.

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Dax-Unternehmen fest in institutioneller Hand

Wem gehören eigentlich die Dax-Unternehmen? Zwei Studien nehmen ihre Besitzverhältnisse unter die Lupe.

Eine Studie, die der Deutsche Investor Relations Verband (DIRK) zusammen mit dem Marktanalysten IPREO veröffentlicht hat, untersucht die Aktionärsstruktur der Dax-30-Unternehmen in Deutschland. Ergebnis: Der größte Anteil der Aktien (60,1 %) befindet sich in institutionellem Besitz, also im Besitz von Pensions- und Investmentfonds, Versicherungen oder Kreditinstituten. Im Jahresvergleich ist dieser Anteil allerdings um 3,8 Prozentpunkte gesunken. Der zweitgrößte Gesamtposten wird von sogenannten strategischen Investoren gehalten. Bemerkenswert dabei: Auf Familien- und stiftungsnahe Investments entfällt mehr als die Hälfte des Investitionsvolumens in diesem Segment. In diese Kategorie fallen auch strategische Beteiligungen der Bundes-republik und ausländischer Staatsfonds.

Ausländische Investoren halten über 50 %

Eine zweite Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY zur Aktionärsstruktur hat ergeben, dass ausländische Investoren zum Jahresende 2016 durchschnittlich 54 % der Aktien hielten. Deutsche Aktionäre waren zum Jahresende im Besitz von 35,2 % der Anteile, geografisch nicht zuordnen ließen sich 10,8 % der Aktien. Bei vier Dax-Unternehmen sind mehr als 70 % der ausgegebenen Aktien in ausländischer Hand, darunter Adidas und Bayer; insgesamt 18 Unternehmen sind zu mindestens 50 % im Besitz ausländischer Aktionäre. Im Mehrjahresvergleich wird deutlich, wie stark das Interesse ausländischer Anleger an einem Engagement im Dax-Segment gestiegen ist: Bei 22 Unternehmen, von denen entsprechende Angaben vorliegen, stieg der Anteil ausländischer Anteilseigner von durchschnittlich 45 % im Jahr 2005 auf 57 % im Geschäftsjahr 2016.

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Kaufkraft des Euro: Wo bekomme ich mehr für mein Geld?

Ein Euro ist nicht gleich ein Euro: Je nachdem, in welches Land man reist, steigt oder sinkt die Kaufkraft des mitgebrachten Geldes.

Auch in den diesjährigen Sommerferien fällt die Kaufkraft des Euro im Ausland sehr unterschiedlich aus. So können Reisende aus Deutschland zum Beispiel in Polen besonders günstig Urlaub machen. Dort ist die Kaufkraft des Euro fast doppelt so hoch wie daheim, das heißt, man erhält für einen Euro in Polen im Schnitt Waren und Dienstleistungen, die hierzulande etwa 1,89 Euro kosten würden. Deutliche Kaufkraftvorteile bietet auch der Süden Europas, vor allem Portugal und Griechenland. Im westlichen Nachbarland Frankreich sowie in Österreich und Italien ist das Preisniveau dagegen ähnlich wie in Deutschland. Teurer als in Deutschland ist der Urlaub bei unseren nördlichen Nachbarn. So ist der Euro in Dänemark nur etwa 74 Cent wert, in Norwegen etwa 72 Cent. Besonders tief in die Tasche greifen müssen Reisende in der Schweiz. Dort beträgt die Kaufkraft des Euro nur etwa 63 Cent.

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Zahl der Einkommensmillionäre wächst

Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: Die Zahl der Einkommensmillionäre in Deutschland ist seit der letzten Erhebung deutlich gestiegen.

Neue vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte und erst jetzt verfügbare Zahlen zeigen, dass im Jahr 2013 17.400 Steuerpflichtige in Deutschland auf Einkünfte von mindestens einer Million Euro kamen; das sind knapp 2.800 mehr als im Jahr 2010, aber weniger als 2008. Ihr Durchschnittseinkommen lag bei 2,7 Millionen Euro. Im selben Jahr haben 79.200 Personen die sogenannte Reichensteuer gezahlt. Die Reichensteuer beträgt 45 Prozent und wird ab einem Einkommen von 250.731 Euro fällig, bei gemeinsam veranlagten Personen ab 501.462 Euro. Auf diese Gruppe entfielen 5,7 Prozent der gesamten Einkünfte und 11,5 Prozent der Steuersumme. Den Spitzensteuersatz von 42 Prozent wiederum, der 2013 bereits ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52.882 Euro beziehungsweise 105.764 Euro erhoben wurde, zahlten 2,1 Millionen Frauen und Männer. Sie standen für 24,9 Prozent aller Einkünfte und 43 Prozent der Lohn- und Einkommensteuersumme.

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500.000

neue Arbeitsplätze könnten in diesem Jahr bundesweit entstehen – das geht aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor. Die meisten neuen Stellen (130.000) sind demnach im Bereich der Gesundheitsdienstleistungen zu erwarten: Hier werde die Nachfrage nach Arbeitskräften durch die alternde Gesellschaft und ein immer größeres Gesundheitsbewusstsein angetrieben. Schon jetzt gibt es gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs an Arbeitsplätzen: Insgesamt lag die Zahl aller Beschäftigten Ende März 2017 um ein Prozent höher als vor einem Jahr.

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Thomas Straubhaar: Radikal gerecht. Wie das bedingungslose Grundeinkommen den Sozialstaat revolutioniert.

Edition Körber-Stiftung, Hamburg 2017, 248 Seiten, 17,00 EUR.

Wie auch immer man zum bedingungslosen Grundeinkommen steht (sofern man sich hierzu überhaupt schon eine Meinung gebildet hat): Das neueste Buch des Schweizer Ökonomen Thomas Straubhaar zu diesem Thema ist unbedingt lesenswert. Der frühere Präsident des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts hat sich der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens mit Haut und Haaren verschrieben. Seine Prämisse: Die Digitalisierung und der demografische Wandel werden viele Tätigkeiten überflüssig und die Sozialsysteme untragbar machen, weswegen eine neue Art der Absicherung notwendig sei. In seinem Buch argumentiert er, ein bedingungsloses Grundeinkommen, das das Existenzminimum für alle sichere, könne das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gesellschaft stärken und Freiräume schaffen, die man für selbstbestimmte Tätigkeiten nutzen könne. Realistisch? Straubhaar ist hiervon überzeugt und liefert auch Zahlen über Höhe und Finanzierung des Grundeinkommens. Ein wichtiger Diskussionsanstoß!

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