Brexit schwächt den Pfundkurs

Der bevorstehende Brexit hat seine Spuren an den Devisenmärkten hinterlassen: Seit dem Referendum im Juni 2016 ist der Pfundkurs gegenüber dem Euro um fast ein Fünftel gefallen. Im August rutschte er auf den tiefsten Stand seit der Weltfinanzkrise vor acht Jahren ab. Währungsexperten rechnen bis Mitte nächsten Jahres sogar mit einem Kurs von eins zu eins zum Euro. Auch gegenüber dem Dollar und anderen Währungen hat das Pfund stark an Wert eingebüßt. Dies hat Auswirkungen auf das Investment in britische Wertpapiere: So hat zwar der britische Aktienleitindex FTSE 100 seit Januar um die Hälfte weniger als der Dax, aber immerhin um rund 3,2 Prozent zugelegt. Durch den Wechselkurs wurde die Geldanlage auf der Insel aber zum Verlustgeschäft, denn das Pfund hat seit Anfang Januar gegenüber dem Euro gut 6 Prozent an Wert verloren. Der moderate Anstieg der britischen Aktienkurse wurde also durch den Wertverlust des Pfunds mehr als aufgezehrt. Wie geht es weiter am Devisenmarkt? Die vorherrschende Meinung ist, dass einerseits die Chancen auf einen „weichen“ und damit für die Wirtschaft weniger schädlichen Brexit zugenommen haben, seit Premierministerin Theresa May bei den Neuwahlen im Juni ihre Parlamentsmehrheit verloren hat. Das spräche für eine bevorstehende Erholung der britischen Währung. Andererseits wächst auch die Gefahr, dass die neue politische Instabilität auf der Insel die Austrittsverhandlungen mit Brüssel lähmt und am Ende womöglich gar keine Einigung erzielt wird – was nach Meinung der meisten Volkswirte der „worst case“ wäre. Obwohl das Ringen um den Brexit die Schlagzeilen beherrscht, hängt der Pfundkurs natürlich auch von anderen Faktoren ab – etwa von der britischen Notenbank. Da die Pfundschwäche zu einer höheren Inflationsrate geführt hat, könnte die Bank of England reagieren. Ebenso dürfte der weitere Kurs der Europäischen Zentralbank Einfluss auf das Pfund haben. Das Wirtschaftswachstum hat sich dieses Jahr in Großbritannien übrigens auch deshalb deutlich verlangsamt, weil die Pfundschwäche der Kaufkraft zusetzt.
 

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